zwei Jungs sitzen auf der Couch und lesen gemeinsam "Von null auf Pubertät" vom Zuckersüß Verlag

Pubertät begleiten statt bekämpfen: Ein Ratgeber für Eltern

Wann beginnt die Pubertät, was verändert sich im Gehirn und wie können Eltern mit Stimmungsschwankungen und Konflikten umgehen? Dieser Artikel erklärt die wichtigsten Phasen der Pubertät und gibt sieben konkrete Tipps, um Jugendliche verständnisvoll zu begleiten.

Eben noch gemeinsamer Filmabend auf dem Sofa — und plötzlich enden Gespräche mit Augenrollen und die Stimmung kippt innerhalb von Sekunden.

Türen knallen, Diskussionen eskalieren gefühlt aus dem Nichts und manche Eltern fragen sich irgendwann ernsthaft: „Haben wir gerade überhaupt noch irgendeinen Zugang zu 
unserem Kind?“

Willkommen in der Pubertät.

Und nein — damit seid ihr definitiv nicht allein.

Die Pubertät gehört wahrscheinlich zu den emotionalsten und gleichzeitig 
anstrengendsten Phasen im Familienleben. Für Jugendliche sowieso. Aber oft ehrlich 
gesagt auch für Eltern. Denn während Jugendliche sich plötzlich verändern, verändern 
sich automatisch auch viele Beziehungen innerhalb der Familie mit.

Viele Eltern fragen sich in dieser Zeit:

Wann beginnt die Pubertät eigentlich genau? Wann ist die Pubertät am schlimmsten?
Und hört dieses Gefühlschaos irgendwann wieder auf?

Die gute Nachricht zuerst: Ja, diese Phase geht vorbei. Auch wenn es sich mitten in 
einem Streit über Handyzeiten, Schule oder die komplett falsche Art zu atmen 
manchmal nicht so anfühlt.

Was passiert in der Pubertät eigentlich wirklich?

Die Pubertät beschreibt die Zeit, in der aus Kindern langsam Jugendliche und junge 
Erwachsene werden.

Von außen wirkt Pubertät manchmal einfach wie schlechte Laune, ständiges 
Diskutieren oder totale Reizbarkeit. Dahinter steckt aber viel mehr.

Denn während Jugendliche äußerlich älter wirken, passiert innerlich gleichzeitig 
unglaublich viel. Der Körper verändert sich, Hormone spielen verrückt, Freundschaften 
werden wichtiger, Unsicherheiten nehmen zu und gleichzeitig entsteht langsam die 
Frage: „Wer bin ich eigentlich?“

Das Gehirn befindet sich in dieser Zeit außerdem mitten im Umbau. Gefühle werden oft 
intensiver wahrgenommen, Impulse schlechter kontrolliert und Entscheidungen 
häufiger emotional statt logisch getroffen.

Und genau deshalb wirken Jugendliche manchmal gleichzeitig total erwachsen — und 
im nächsten Moment wieder wie kleine Kinder.

In dieser herausfordernden Zeit erleben sie: 

  • Starke Stimmungsschwankungen
  • Unsicherheiten
  • Den Wunsch nach mehr Freiheit
  • Konflikte mit Eltern
  • Selbstzweifel
  • Erste große Gefühle
  • Druck, mit der Peergroup mitzuhalten

Viele Eltern erleben genau diesen Wechsel als besonders verwirrend: Eben noch ein 
tiefgründiges Gespräch und zehn Minuten später Streit wegen einer Kleinigkeit.

Wann beginnt die Pubertät?

Das lässt sich tatsächlich gar nicht komplett pauschal beantworten.
Oft begegnen mir Eltern, welche davon berichten, dass sie nun einen waschechten 
Teenager zuhause haben. Der große 13. Geburtstag (thirTEEN) wird wie die Eintrittskarte 
in einen neuen Lebensabschnitt gesehen. 

Doch die ehrliche Antwort lautet: Der Beginn der Pubertät ist bei jedem einzelnen Kind 
sehr unterschiedlich.

Im Durchschnitt beginnt die Pubertät bei Mädchen oft etwas früher als bei Jungen. 
Häufig startet sie ungefähr zwischen dem 9. und 14. Lebensjahr. Manche Kinder 
entwickeln sich früher, andere später — und beides kann völlig normal sein.

Gerade das Thema frühe Pubertät, verfrühte Pubertät oder vorzeitige Pubertät 
verunsichert viele Eltern schnell. Vor allem dann, wenn plötzlich erste körperliche 
Veränderungen auftreten, obwohl das Kind emotional gefühlt noch total klein wirkt.

Wichtig ist dabei: Nicht jedes Kind entwickelt sich gleich schnell. Und nur weil ein 
anderes Kind „schon viel weiter“ wirkt, bedeutet das nicht automatisch, dass mit dem 
eigenen Kind etwas nicht stimmt.

Trotzdem kann es natürlich sinnvoll sein, bei sehr früher körperlicher Entwicklung 
ärztlich nachzufragen — einfach, um Unsicherheiten abzuklären.

Die Phasen der Pubertät einfach erklärt

Auch wenn jede Entwicklung individuell verläuft, lässt sich die Pubertät grob in 
verschiedene Phasen einteilen.

Phase 1: Die Vorpubertät

Viele Eltern merken hier zum ersten Mal: „Irgendwie verändert sich gerade etwas.“

Kinder werden häufig schon im Grundschulalter empfindlicher, diskutieren plötzlich 
häufiger oder ziehen sich mehr zurück. Während hier auch körperlich schon erste 
Veränderungen starten, beginnt gleichzeitig oft der Wunsch nach mehr Eigenständigkeit.

Und auch wenn Kinder in dieser Phase manchmal schon sehr „groß“ wirken wollen, 
brauchen sie emotional häufig noch unglaublich viel Nähe und Orientierung.

Phase 2: Die Hochphase der Pubertät

Das ist meistens die Phase, die auch Eltern als besonders intensiv erleben.

Gefühle schwanken extrem schnell, Streit entsteht oft wegen Kleinigkeiten und viele 
Jugendliche reagieren empfindlich auf Kritik oder Kontrolle. Freundschaften und soziale 
Zugehörigkeit werden plötzlich unglaublich wichtig.

Viele Jugendliche wirken in dieser Phase: 

- launisch,
- zurückgezogen,
- schnell gereizt,
- oder komplett widersprüchlich.

Oft sind sie innerlich selbst komplett überfordert von allem, was gerade passiert. Da 
wäre wohl jeder von uns irgendwann überfordert. Häufig wird genau diese mittlere Phase als die emotional anstrengendste erlebt — sowohl von Jugendlichen selbst als auch von Eltern.

Was dabei oft vergessen wird: Das Gehirn entwickelt sich in dieser Zeit nämlich ebenfalls stark weiter. Besonders die Bereiche für Impulskontrolle, Planung und emotionale Regulation sind noch mitten im Umbau. 

Heißt also: Jugendliche fühlen oft schon sehr intensiv - können Gefühle aber noch nicht 
immer gut regulieren. 

Phase 3: Die spätpubertäre Phase

Irgendwann wird vieles langsam wieder ruhiger. Jugendliche entwickeln zunehmend 
mehr Selbstreflexion, werden emotional stabiler und können Konflikte oft besser 
einordnen.

Natürlich verschwinden Diskussionen nicht plötzlich komplett. Aber viele Familien 
merken irgendwann: Der Zugang zueinander wird wieder leichter.

Auch deshalb ist die Frage, wann die Pubertät wieder vorbei ist, gar nicht so einfach zu 
beantworten. 

Wann hört die Pubertät auf? 

Die wahrscheinlich häufigste Frage aller Eltern. Und auch hier gibt es leider kein 
exaktes Alter. 

Die körperliche Entwicklung endet meistens ungefähr zwischen dem 16. und 20. 
Lebensjahr. Emotional und neurologisch entwickelt sich das Gehirn allerdings noch 
deutlich länger weiter. Bei manchen Jugendlichen wird es mit 15 deutlich ruhiger, bei anderen erst mit 18 oder später.

Entwicklung verläuft nicht linear. Oft gibt es Phasen, in denen plötzlich alles 
entspannt wirkt — und zwei Wochen später gefühlt wieder kompletter Ausnahmezustand herrscht.

Und genau das gehört irgendwie auch dazu. Aber irgendwann stabilisiert sich vieles tatsächlich wieder. Jugendliche werden selbstständiger, reflektierter und emotional sicherer. Und auch die Eltern-Kind-Beziehung findet häufig langsam wieder eine neue Form.

Ausnahmezustand Pubertät: Was passiert da eigentlich im Kopf?

Viele Eltern kennen solche Situationen: Eine komplett harmlose Frage sorgt plötzlich für 
Augenrollen oder genervte Antworten.

„Wie war die Schule?“
„Keine Ahnung.“
„Warum bist du jetzt direkt so genervt?“
„BIN ICH GAR NICHT!“

Und plötzlich eskaliert die Stimmung komplett.

Gerade in der Pubertät reagieren Jugendliche oft empfindlicher auf Kritik, Bewertungen 
oder das Gefühl, kontrolliert zu werden. 

Das Gehirn von Jugendlichen befindet sich in einer riesigen Umbauphase. Verbindungen werden neu sortiert, Gefühle intensiver verarbeitet und gleichzeitig ist das Belohnungssystem besonders aktiv. 

Deshalb wirken Emotionen oft extremer, Entscheidungen spontaner und Konflikte größer als sie für Erwachsene erscheinen.

Dazu kommt: Jugendliche vergleichen sich plötzlich extrem viel mit anderen. Aussehen, Beliebtheit, Noten, Freundschaften, soziale Medien — all das spielt plötzlich eine riesige Rolle. Was für Erwachsene manchmal nach „Übertreibung“ aussieht, fühlt sich für 
Jugendliche oft wirklich riesig an.

Der enorme Wunsch nach Zugehörigkeit und die Suche nach der eigenen Identität läuft 
permanent – neben all den anderen Herausforderungen der Pubertät - im Hintergrund. 
Klingt ziemlich anstrengend, oder? 

Pubertät bedeutet nicht automatisch schlechte Erziehung

Und das ist ein Punkt, den viele Eltern dringend hören müssen.

Ja: Die Pubertät kann auch uns Eltern emotional extrem fordern. Viele beschreiben diese Zeit als ständigen Spagat zwischen: 

- Loslassen, 
- Grenzen setzen,
- Vertrauen,
- Kontrolle, 
- Nähe
- und Diskussionen. 

Manchmal hat man das Gefühl, egal was man sagt, es ist falsch.

Aber: Wenn Jugendliche diskutieren, Grenzen testen oder sich zurückziehen, bedeutet das nicht automatisch, dass Eltern versagt haben.

Pubertät ist Entwicklung. Abgrenzung gehört dazu. Jugendliche beginnen in dieser Zeit, eigene Meinungen zu entwickeln, Dinge zu hinterfragen und sich von den Eltern zu lösen.

Auch wenn genau das im Alltag manchmal unglaublich anstrengend sein kann.

Natürlich tut es weh, wenn Nähe plötzlich weniger wird oder Gespräche schwieriger 
werden. Viele Eltern vermissen in dieser Phase regelrecht „ihr kleines Kind“. Und 
gleichzeitig brauchen Jugendliche genau diesen Freiraum, um ihre eigene Persönlichkeit zu entwickeln.

Wenn die Stimmung zuhause dauerhaft kippt

Die Frage, wann die Pubertät am schlimmsten ist, taucht immer wieder auf. Natürlich 
gehören Streit, Rückzug und Stimmungsschwankungen bis zu einem gewissen Punkt 
zur Pubertät dazu.

Aber auch hier gibt es leider keine perfekte Antwort. Denn jede Familie erlebt Pubertät 
anders. 

Viele empfinden die mittlere Phase – also ungefähr zwischen 13 und 16 Jahren – als 
besonders herausfordernd. Vor allem dann, wenn starke Konflikte entstehen, Jugendliche sich stark zurückziehen, Grenzen permanent diskutiert werden, oder Eltern das Gefühl haben, kaum noch “durchzukommen”: 

Aber: Nicht jede Pubertät verläuft extrem. Manche Jugendliche sind eher ruhig, andere 
emotionaler, manche testen Grenzen stark aus und andere weniger. 

Wichtig ist vor allem zu verstehen: Konflikte bedeuten nicht automatisch, dass etwas 
schiefläuft. Pubertät ist Entwicklung. Und Entwicklung ist oft chaotisch. Trotzdem gibt es Situationen, in denen Eltern genauer hinschauen sollten.

Zum Beispiel wenn Jugendliche:

• sich komplett isolieren
• dauerhaft traurig wirken
• starke Aggressionen entwickeln
• nicht mehr in die Schule wollen
• Essverhalten stark verändern
• kaum noch Freude empfinden
• über längere Zeit hoffnungslos wirken

Denn nicht alles lässt sich automatisch nur mit „Das sind halt die Hormone“ erklären.

Gerade psychische Belastungen bei Jugendlichen nehmen mittlerweile deutlich zu. 
Deshalb ist es wichtig, Veränderungen ernst zu nehmen und sich Unterstützung zu 
holen, wenn sich etwas dauerhaft nicht richtig anfühlt.

Pubertät bedeutet nicht, dass die Bindung verschwindet

Auch wenn Jugendliche sich zeitweise stark abgrenzen: Die Beziehung zu den Eltern 
bleibt unglaublich wichtig. Sie zeigen es oft nur anders als früher. 

Vielleicht wollen sie nicht mehr kuschelnd auf dem Sofa sitzen, eure Hand halten und 
eure dauerhafte Aufmerksamkeit. Und das zu realisieren, tut weh.

Und trotz der einsilbigen Antworten und des Augenrollens brauchen Jugendliche 
meistens genau das Gefühl: “Da ist jemand, der mich ernst nimmt und trotzdem da 
bleibt.”

Tipps, die Eltern durch die Pubertät helfen können

Wahrscheinlich wünschen sich viele Eltern gerade jetzt eine magische Anleitung. Wer 
nicht? Die gibt es aber leider nicht. 

Trotzdem gibt es ein paar Dinge, die vielen Familien helfen können:

1. Nicht jedes Verhalten persönlich nehmen

Auch wenn es sich manchmal genau so anfühlt: Viele Reaktionen in der Pubertät 
haben weniger mit den Eltern persönlich zu tun, sondern mit dem inneren Chaos 
der Jugendlichen selbst.

2. Verbindung wichtiger nehmen als Perfektion

Jugendliche brauchen nicht perfekte Eltern. Sie brauchen Erwachsene, die trotz 
Konflikten in Beziehung bleiben.

Auch kleine Momente zählen: 
- zusammen lachen, 
- ehrlich zuhören, Interesse zeigen, 
- gemeinsam essen 
- oder einfach präsent sein. 

3. Grenzen dürfen weiterhin da sein

Pubertät bedeutet nicht grenzenlose Freiheit. Auch wenn sie Regeln plötzlich 
ständig diskutieren, brauchen Jugendliche weiterhin Orientierung – jetzt mehr 
denn je. Der Unterschied liegt oft eher darin, wie Regeln vermittelt werden.

4. Diskussionen bewusst auswählen

Nicht jede Situation muss sofort ausdiskutiert werden. Manchmal hilft es, 
Konflikte erstmal abkühlen zu lassen. 

Und manchmal darf man sich auch fragen: “Ist das gerade wirklich wichtig oder 
geht es eigentlich nur ums Prinzip?”

5. Gefühle ernst nehmen

Sätze wie:

- “Das ist doch nicht schlimm.”
- “Früher hatten wir sowas nicht.”
- “Du übertreibst.”

helfen Jugendlichen so gut wie gar nicht.

Auch wenn Probleme für uns als Erwachsene klein wirken, fühlen sie sich für Jugendliche oft riesig an. 

6. Verantwortung überlassen

Je älter Kinder werden, desto wichtiger wird das Gefühl, ernst genommen zu 
werden. Mitentscheiden zu dürfen, Verantwortung zu übernehmen und eine eigene 
Meinung zu haben dürfen, stärkt oft auch die Beziehung innerhalb der Familie. 

Zeigt ihnen, dass ihre Meinung zählt, zum Beispiel im Rahmen kleiner 
Familienkonferenzen. So kann sich jeder selbst erklären und den anderen 
zeigen, was ihm / ihr wichtig ist.

7. Fehler zugeben

Auch Eltern dürfen mal falsch reagieren. Ein ehrliches “Tut mir leid, ich war 
gerade selbst gestresst”, kann unglaublich verbindend sein. 

Pubertät ist oft für die ganze Familie herausfordernd

Ich glaube, genau das wird manchmal unterschätzt.

Pubertät betrifft nie nur die Jugendlichen allein. Die ganze Familie verändert sich in 
dieser Zeit mit. Gewohnheiten verändern sich, Gespräche verändern sich und 
manchmal fühlt sich selbst die Beziehung zum eigenen Kind plötzlich ganz anders an.

Und trotzdem steckt hinter dieser Phase etwas Wichtiges:
Loslösen. Wachsen. Sich selbst finden.

Auch wenn das zwischendurch chaotisch, laut und emotional sein kann.

Fazit: Pubertät anstrengend – aber auch eine wichtige Entwicklungsphase

Die Pubertät kann Familien ganz schön herausfordern.

Sie ist laut, emotional, anstrengend und manchmal ehrlich gesagt auch ziemlich überfordernd.

Aber sie ist gleichzeitig auch eine unglaublich wichtige Entwicklungsphase. Jugendliche 
lernen in dieser Zeit, wer sie sind, was sie brauchen und wie sie ihren eigenen Platz 
finden. Es ist wichtig zu begreifen, dass hinter den vielen Konflikten keine “schlechte 
Erziehung” oder ein “schwieriges Kind” steckt, sondern ein junger Mensch, der gerade 
versucht, seinen Platz im Leben zu finden. 

Mit ganz vielen Gefühlen. Mit Unsicherheiten. Mit Wachstum. Und oft auch mit dem 
Wunsch, gleichzeitig frei und trotzdem gehalten zu werden. 

Und auch wenn Jugendliche das nicht immer zeigen: Sie brauchen weiterhin Halt, Verständnis und Erwachsene, die trotz Streit, Augenrollen 
und Distanz präsent bleiben und sie in dieser herausfordernden Phase begleiten. 

Immer.